Gebäudetyp E, suffizientes und einfaches Bauen: Was bringt das Kirchengemeinden und Wohnprojekten?

Von Bettina Noesser und Reinulf Padberg, Architekten · Stand: November 2026

Gebäudetyp E steht für einfaches und experimentelles Bauen. Bauherr und Planer verzichten dabei bewusst und einvernehmlich auf teure Standards, die nicht unbedingt gebraucht werden und nicht sicherheitsrelevant (wie Statik, Brandschutz o. ä.) sind. Für Kirchengemeinden und Wohnprojekt-Gruppen mit knappen Budgets bleibt so mehr für die Räume, die sie wirklich brauchen.

Auf einen Blick

  • Gebäudetyp E ist keine neue Gebäudeklasse, sondern eine Vereinbarung über einfachere Standards.
  • Low-Tech statt Luxus: einfache, robuste Technik, wo sie sinnvoll, menschendienlich und bezahlbar ist.
  • Kostensparendes Bauen braucht suffiziente Planung mit Reduktion auf das Wesentliche und die dafür nötigen Flächen.

Was bedeutet einfaches Bauen?

Einfaches Bauen bedeutet, ein Gebäude auf das Notwendige zu reduzieren, mit effizient eingesetzten, möglichst nachhaltigen Materialien und robuster und dauerhafter Haustechnik, soweit erforderlich. Maßstab ist der tatsächliche Bedarf der Nutzer.

Welche Gebäude, Baukonstruktionen, Materialien und Haustechnik sich dafür gut eignen, hat der Architekt Florian Nagler an der Technischen Universität München mit drei Forschungshäusern in Bad Aibling erforscht.

Kompakt Einfach geformte, kompakte Baukörper mit im Vergleich wenig Hüllfläche (Wand, Dach).

Robust Einfache, erprobte und dauerhafte Bauweisen und technische Systeme.

Speicherfähig Schwere Baumaterialien aus massiven mineralischen Baustoffen (Mauerwerk, Beton) speichern im Winter die Wärme und schützen im Sommer vor Überhitzung.

Demontierbarkeit Bauteile, Materialien und Haustechnik nicht verkleben oder vermischen, sondern wieder trennbar, reparierbar, veränderbar und entsorgungsfähig planen und montieren.

Wo fängt einfaches Bauen für eine Kirchengemeinde oder ein Wohnprojekt an?

Am Anfang steht für uns die Suffizienz (Genügsamkeit), also die Frage, welche Räume, Funktionen und wie viel Fläche tatsächlich gebraucht werden. In unserer Planung streben wir an, vorhandene Gebäude und Baumaterialien nach Möglichkeit in neuer Gestalt weiterzunutzen.

Wir lassen alles weg, was nicht zukunftsfähig ist, was teuer ist und nicht unbedingt gebraucht wird, z. B. Keller, Tiefgaragen oder aufwendige Haustechnik.

  • Räume teilen: Saal und Gruppenraum oder Gemeinschaftsräume mehrfach nutzen.
  • Bestand nutzen: erhalten, umbauen oder aufstocken statt abreißen.
  • Standard abstimmen: gemeinsam klären, auf welchen Komfort sich verzichten lässt.

Mehr dazu in unserer Suffizienz-Werkstatt

Welche Beispiele gibt es für Gebäudetyp E?

Viele gute, aktuell veröffentlichte Beispiele stammen z. B. aus Bayern, wo Bauministerium, Architektenkammer und Universität dazu Pilotprojekte entwickelt und gefördert haben. Einfaches Bauen gibt es aber schon immer. Auch in unseren Projekten für Kirchengemeinden, Kitas, Wohnprojekte u. a. überprüfen wir jeden Schritt in der Planung und Umsetzung auf Einfachheit, Suffizienz und Kosteneffizienz, auch bei komplexen Anforderungen.

Welcher Architekt plant einfach und suffizient für Kirchengemeinden und Wohnprojekte?

Einfaches Bauen ist für Noesser Padberg Architekten aus Köln seit jeher Alltag. Wir arbeiten mit Landeskirchen, Freikirchen, kirchlichen Werken und Stiftungen zusammen, die mit knappen Budgets bauen. Wir beteiligen uns an der Diskussion um einfaches Bauen und begleiten unsere AuftraggeberInnen von der Bedarfsklärung (Phase 0) bis zur Fertigstellung.

Holzbau der Landeskirchlichen Gemeinschaft Langenfeld mit großen Fenstern zum Garten, abends beleuchtet

Einfach gebaut

LKG Langenfeld: Gottesdienstraum bei minimalem Budget

Für die Landeskirchliche Gemeinschaft Langenfeld haben wir Nebenräume, Bodenplatte und Rückwand des alten Hauses erhalten. Den Kirchraum haben wir als zweigeschossigen Holzskelettbau aufgesattelt, der sich mit großen Glasflächen zum Garten öffnet.

Zum Projekt LKG Langenfeld

Häufige Fragen

Was heißt Suffizienz beim Bauen?

Suffizienz (Genügsamkeit) heißt, zuerst zu fragen, wie viel Fläche und Technik wirklich nötig sind. Sie kommt für uns vor Effizienz und erneuerbarer Energie, denn wenn die Fläche wächst, sind Einsparungen durch bessere Technik schnell wieder aufgezehrt.

Gilt Gebäudetyp E auch für Kirchen und Gemeindehäuser?

Die Pläne des Bundes zielen vor allem auf den Wohnungsbau. Einfach bauen lässt sich aber auch eine Kirche oder ein Gemeindehaus, mit robusten Materialien, wenig Technik und Räumen, die mehrfach genutzt werden. So haben wir es für eine kleine Gemeinschaft in Langenfeld umgesetzt.

Welche Nachteile hat Gebäudetyp E?

Einfach gebaute Häuser bieten weniger Komfort, etwa beim Schallschutz oder bei der Ausstattung. Welcher Komfort verzichtbar ist, hängt von den Menschen ab, die das Haus nutzen. Das klären wir gemeinsam zu Beginn der Planung.

Mehr zum Thema

Ihre Kirchengemeinde oder Wohnprojekt-Gruppe will einfach bauen? Wir klären gern gemeinsam, was wirklich gebraucht wird und worauf sich verzichten lässt, unter 0221 33178-15 oder buero@nparch.de.

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